Vereinsgeschichte

Im Jahre 1803 wurde von dem damaligen Schulleiter Johann Langthaler die Musikkapelle Ried im Traunkreis gegründet, die er bis 1810 als Kapellmeister leitete. 1805 lud die bereits bestehende Volkswehr, auch Prangerschützen genannt, die Musikkapelle ein, als Prangerschützenkapelle mitzuwirken. Sie wurde kostenlos wie die Prangerschützen eingekleidet. Die Uniform bestand aus einem schwarzen Hut mit breiter Krempe, aus einem weißen Hemd und einem seidenen Halstuch als Selbstbinder, aus einem schwarzen Plüschleibchen und einem schwarzen Überrock, aus einer ledernen Kniehose mit Ranzen, aus weißen Wollstutzen und schwarzen Schuhen. Von 1810 bis 1897 waren die jeweiligen Schulleiter von Ried auch Kapellmeister. Am Vorabend des Geburtstages des Kaisers wurde jedes Jahr bei Eintritt der Dunkelheit im Ort ein Fackelzug mit klingendem Spiel zum Dorfplatz abgehalten. Die auswärts wohnenden Musiker konnten unentgeltlich im Gasthaus Kröpfl übernachten. Die Frau Kröpfl war eine sehr gute Herbergsmutter für die Musikkapelle. Einmal haben in der Nacht übermütige Musiker der Gastwirtin Kröpfl den vorhandenen Honig „als Gaudi" verspeist. Am Morgen des Kaiserfestes wurde schon um 4 Uhr früh ein Weckruf geblasen. Am Nachmittag wurde der Ehrentag mit einem Gartenfest im Gasthaus Schenkhaus beendet.

1880 erhielt die Musikkapelle eine dunkelgrüne Uniform mit schwarzem Hut und weißem Federbusch. Es wurden alle Jahre Gartenkonzerte abwechselnd in den Gasthäusern zur Post in Voitsdorf, in der Fuchsleiten, in Großendorf, in der Waldschenke, beim Hofinger in Maidorf und in der Forsthub sowie auch in Kremsmünster abgehalten. Am Fronleichnamstag 1880 ereignete sich folgendes: Nach der Prozession marschierte das Schützenkorps mit der Musikkapelle zur Fahnenabführung vom Pfarrhof zum Dorfplatz hinab. Hinter der Kapelle fuhr der Wagenleitner von Penzendorf mit seinem Wagerl, bespannt mit einem Schimmel. Dieser hat sich beim Einschlagen der großen Trommel geschreckt und ging durch. Er sauste mit dem Wagen in den rechten Flügel der spielenden Musikkapelle. Dabei wurden mehrere Musiker verletzt, einer davon, ein Tischlergeselle, so schwer, dass er mit den Sterbesakramenten versehen werden musste. Die Instrumente der Verletzten wurden auch zertrümmert. Der Grünfeldmarsch, den die Kapelle bei diesem Ereignis gespielt hatte, wurde umgetauft auf den Namen„Schimmel-sturm-Marsch".

Aufnahme von 1886
1. Reihe v. l. n. r.: Franz Hörtenhumer -Wagner in Großendorf, Johann Pautzen-berger - Sattleder in Sattledt, David Wieser - Lehrer in Ried, Ignaz Macho - Oberlehrer und Kapellmeister, Johann Hubinger - Stadllehner, Michael Schimpl -Briefträger, Johann Wallner sen. - Zimmermann in Zenndorf
2. Reihe v. l. n. r.: Zimmermann Florian von Kremsmünster genannt „Bombardon Florl", Johann Hubinger - Geiregger, Johann Stadlmair, Johann Heidlmair - Schmied in Pesendorf „Erzeuger der eisernen Pflüge", Franz Klinglmair - Kranzlheider, Simon Straßer - Brunnmair und „Altbürgermeister" in Rührndorf
3. Reihe v. l. n. r.: Johann Lengauer - Ofenschlager, Johann Lösch - Stabführer und Wirt in Schenkhaus, Sebastian Windischbauer - Wagner, Johann Wallner - Zimmermann, Georg Herber - Zimmermann in Rührndorf

Die Musiker waren ungemein eifrig. Ein großer Idealist war der Backofenschlager Johann Lengauer von Penzendorf. Wenn er auswärts arbeitete, kam er trotzdem pünktlich zu den Proben, auch wenn er 3 bis 4 Gehstunden zurücklegen musste. 1909 fuhr er von seiner Arbeitsstelle Waidhofen an der Ybbs mit dem Fahrrad zur Beerdigung des Schützenleutnants Franz Zorn nach Ried und gleich nach dem Begräbnis wieder zurück. Er war ein sehr guter Flügelhornist. Zu den auswärtigen Bürgergarde- und Musikfesten fuhr man mit Leiterwagen, die von den Frauen schön geschmückt wurden. Bei den stundenlangen Fahrten ging es oft bei Gesang und Jodeln sehr lustig zu. Von 1897 bis 1928 war Herr Oberlehrer David Wieser (Großvater unseres Ehrenkapellmeisters Konsulent Oberschulrat Rudolf Nobl) Kapellmeister. 1888 wurde die Musikkapelle neu uniformiert, grauer Waffenrock mit grünem Stehkragen, graue Hosen mit grünen Streifen, schwarzer steifer Hut mit schwarzem Federbusch. Unter Kapellmeister David Wieser wurde von der Musikkapelle fast alle Jahre an einem Sonntagnachmittag ein Ausflug nach Kremsmünster gemacht. Am Heimweg wurde noch beim Gasthaus Forsthub ein paar Stunden konzertiert. Aus dieser Zeit wird auch erstmals der Stabführer erwähnt, es war Karl Öllacher. Am 28. Juni 1914 fand in Ried das große Bürgergardenfest statt, das aber wegen der Ermordung des Thronfolgerpaares in Sarajewo am Nachmittag abgebrochen werden musste. Während des 1. Weltkrieges war die Musikkapelle nicht spielfähig, weil sehr viele Musiker einrücken mussten. Bald nach Kriegsende wurde wiederum unter der Leitung von Oberlehrer David Wieser weitermusiziert.

Die folgende Begebenheit soll verdeutlichen, mit welcher Liebe und mit welchem Einsatz die Musiker damals bei der Sache waren. Im Jahr 1920 hatte der Baßhornist Franz Hiebl, geboren 1872, Bauer in Schachadorf, bei einem Unfall zwei vordere Zähne verloren. Um das Blasen nicht aufgeben zu müssen, bastelte er für sich selbst zwei Zähne aus Eschenholz, und zwar so kunstgerecht, dass die Fachleute seine Arbeit bewunderten. In späterer Zeit überließ er seine selbst angefertigte Zahnprothese auf Bitten des damaligen Gemeindearztes Med. Rat Dr. Hans Steinmaurer, dem Direktor der OÖ. Ärztekammer, als Schaustück. Von 1928 bis 1937 übernahm Oberlehrer Günther Schott die Musikkapelle als Kapellmeister. 1928 wurde die Musikkapelle neu uniformiert; es wurde eine blaue Uniform mit weißen Knöpfen und einer Lyra sowie blaue Kappen mit weißer Schnur angeschafft. Die Ausflüge zu dieser Zeit wurden nunmehr schon per Autobus durchgeführt. So ging zum Beispiel 1930 die Reise nach St. Thomas am Blasenstein und 1932 ins Innviertel nach Mettmach. 1937 kam es infolge der politischen Lage zu Streitigkeiten über die Kapellmeisterstelle, sodass die Gemeindevertretung einschreiten musste. Es wurde Herr Oberlehrer Max Seidl zum Kapellmeister bestellt, der nach einem Jahr jedoch wieder abdankte. Es waren dann noch Josef Maxwald und Hans Wiltsch Kapellmeister. 1940 löste sich die Kapelle auf, weil alle Musiker einrücken mussten. Herr Gemeindesekretär Franz Schimpl hat die Instrumente, die Marschbücher und das Notenmaterial vom Probenlokal, das im Gasthaus Demmelbauer war, geholt und im Gemeindeamt verwahrt; nur das erstklassige Flügelhorn fehlte.

Foto 1932
Aufnahme beim Pfarrhof bei der Hochzeit des Michael Weigerstorfer, Gezenberger in Zenndorf 6, am 2.2.1932
1. Reihe v. l. n. r.: Georg Scheidlberger, Alois Osterberger, Josef Lengauer, Günther Schott, Josef Maxwald, Max Seidl
2. Reihe v. l. n. r.: Johann Edlinger, Florian Gattinger, Hans Achleitner, Josef Gruber, Wolfgang Atzlinger, Josef Maxwald jun., Richard Muckenhuber, Franz Huebner, Johann Krumphuber, Franz Schimpl
3. Reihe v. l. n. r.: Johann Klinglmair, Michael Gundendorfer, Franz Hiebl, Josef Thallinger, Franz Minichmair, Franz Schickmair, Ignaz Auteneder, Josef Kronegger
4. Reihe v. l. n. r.: Franz Großegger, Johann Minichmair, Josef Krumphuber, Franz Bauernhuber, Johann Schimpl

Nach Kriegsende wurde die Bevölkerung von der Gemeinde mittels Läufer aufgefordert, eventuell noch vorhandene Instrumente und Noten beim Gemeindeamt abzuliefern. Noch Ende 1945 wurde Herr Franz Windischbauer, Leithenbauer in Voitsdorf, ersucht, die Rieder Musikkapelle wieder ins Leben zu rufen; er war bis 1953 Kapellmeister. Obmann und Stabführer war von 1945 bis 1971 Josef Huebner, Wetzelhuber. 1948 erhielt die Musikkapelle eine Uniform; sie bestand aus grüner Bluse, schwarzer Hose und einer grünen Kappe mit Lyra. 1954 übernahm der heutige Ehrenkapellmeister Konsulent Oberschulrat Rudolf Nobl die Leitung der Kapelle. Er war bereits damals (seit 1949) Bezirksobmann des Bezirkes Kirchdorf.
1955 wurde das neu erbaute Musikheim im Feuerwehrhaus von Herrn Pfarrer Pater Wolfgang Stadlbauer gesegnet und seiner Bestimmung übergeben. 1957 wurde zum Ankauf neuer Instrumente mit Normalstimmung, eine Getreide- und Geldsammlung mit sehr gutem Erfolg durchgeführt.

Die Bevölkerung von Ried und auch auswärtige Geschäftsleute haben teilweise großzügige Spenden gegeben. Der beste Spender war Herr Josef Sperrer, Bauer zu Hundessen, der ein Euphonium im Werte von 2.300,- Schilling spendete. Die Sammlung wurde hauptsächlich von den Herren Obmann Josef Huebner, Kapellmeister Rudolf Nobl und Gemeindesekretär Franz Schimpl durchgeführt. Das erste Konzert mit den neuen Instrumenten fand am 28. Jänner 1958 statt. Zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen Landeskapellmeister Rameis und Bezirkskapellmeister Zellmair, waren anwesend. 1965 fuhr die Musikkapelle mit dem Kameradschaftsbund zur Fahnenweihe des Krieger- und Veteranenvereines Windorf nach Bayern. 1966 besuchte die Musikkapelle den Musikkameraden Franz-Xaver Weigerstorfer in Kühnsdorf, wo er als Werkskapellmeister bei den Leitgeb-Werken tätig war.

Aufnahme 1966
Vordere Reihe v. l. n. r.: Johann Gundendorfer, Franz Hagmair, Heinz Schmidler, Franz Windischbauer, Rudolf Nobl, P. Wolfgang Stadibauer, Josef Huebmer, Hans Achleitner, Hans Schimpl, Franz Schimpl
Mittlere Reihe v. l. n. r.: Franz Zaunmayr, Karl Kronegger, Josef Pochendorfer, Michael Langeder, Karl Fischereder,
Franz Edlinger, Alexander Lindinger, Johann Fischereder, Franz Fischereder, Rudolf Glinsner, Franz Minichmair, Michael Langeder sen., Franz Schickmair
Hintere Reihe v. l. n. r.: Franz Salaböck, Josef Brunnmayr, Karl Pramberger, Max Fischereder, Franz Kremsmair, Franz Mayr, Hans Agrill, Michael Stöger, Johann Leeb

1971 legte Obmann und Stabführer Josef Huebner seine Funktion zurück - er wurde zum Ehrenobmann ernannt. Seine Nachfolger waren Alexander Lindinger-Pesendorfer als Obmann und Franz Glinsner als Stabführer.
Die Uniform sollte erneuert werden und man hatte damals, obwohl es noch relativ wenige Kapellen mit Tracht gegeben hatte, sich für eine Tracht entschlossen. Das Geld wurde teilweise mit dem Erlös eines Flohmarktes aufgebracht, den man als „einzigartig" bezeichnen kann. Hauptbeteiligter und Motor bei diesem Flohmarkt war Obmann Alexander Lindinger-Pesendorfer. Im August 1977 verstarb Stabführer Franz Glinsner an einem heimtückischen Leiden. Zu seinem Nachfolger wurde Johann Ramsebner gewählt.
1978 wurde das 175jährige Bestandsjubiläum mit einem Zeltfest auf dem Sportplatz und großem Festzug gebührend gefeiert. Seit dieser Zeit besteht auch die Verbindung mit der Jugendblaskapelle Nabburg aus der Oberpfalz in Bayern. 1982 wurde die Patenschaft über die Jugendblaskapelle übernommen. Inzwischen haben sich gute Bekanntschaften und Freundschaften zwischen den Nabburgern und den Riedern gebildet. Es werden regelmäßig Besuche abgestattet.

1981 legte Obmann Alexander Lindinger-Pesendorfer sein Amt zurück und als Nachfolger wurde Rupert Höpoltseder gewählt. Alexander Lindinger-Pesendorfer wurde für seine Verdienste zum Ehrenobmann ernannt. Im Oktober 1982 verstarb Obmann Rupert Höpoltseder nach einem schweren Leiden. Obmann-
Stellvertreter Johann Ramsebner übernahm die Geschäftsführung und wurde dann im März 1983 zum Obmann gewählt.
Im August 1987 legte Kapellmeister Rudolf Nobl nach 34jähriger Tätigkeit sein Amt als Kapellmeister zurück. Als „Übergangs-Kapellmeister" konnte Franz Föhn aus Pettenbach gewonnen werden. Seit Jänner 1988 ist
Johann Brunnmayr Kapellmeister und er konnte seine Fähigkeiten gleich unter Beweis stellen - die Musikkapelle erreichte unter seiner Leitung bei den ersten 3 Konzertwertungsspielen jeweils einen „Ausgezeichneten Erfolg". Für diese Leistungen wurde die Kapelle mit Bürgermeister Michael Langeder im November 1991 von Herrn Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck geehrt.

Aufnahme März 1992
1. Reihe v. l. n. r.: Gertrude Gundendorfer, Michael Stöger, Josef Brunnmayr, Josef Pocherdorfer, Kapellmeister,Johann Brunnmayr, Obmann Johann Ramsebner, Bürgermeister Michael Langeder, Konsulent OSR Rudolf Nobl, Josef Langeder, Johann Gundendorfer, Elfriede Mörtenhuber
2. Reihe v. l. n. r.: Ilse Brunmair, Monika Obermayr, Manuela Steinmair, Ulrike Kremsmair, Nina Waibel, Anna Langeder, Herbert Kremsmair, Karl Kremsmair, Thomas Reisner, Josef Reisner, Manfred Neumayr, Alois Zorn
3. Reihe v. l. n. r.: Friedrich Kammerhuber, Franz Hagmair jun., Karl Gnadlinger, Gabriele Kremsmair, Alfred Krumphuber, Friedrich Zaunmayr, Johannes Schmidler, Franz Hubmer, Markus Zehetner, Johann Huemer, Franz Steinmaurer
4. Reihe v. l. n. r.: Alois Rapperstorfer sen., Franz Mayr, Hubert Moser, Alois Rapperstorfer jun., Michael Langeder jun., Franz Hagmair sen., Herbert Hagmair, Franz Zaunmayr, Alois Kremsmair, Franz Bucher, Alexander Zaunmayr, Karl Thanner

 

Quelle: Heimatbuch Ried im Traunkreis